bachrauf-Serie: Verkehrswende
Teil 3
Wie können wir ihn den Menschen zurückgeben? Wie lässt sich der Lieferverkehr neu organisieren? Was bringt eine Automatisierung des Verkehrs? Und welche Rolle spielen dabei Schiene, Rufbusse und Fahrräder?
In dieser Artikelreihe beschäftigt sich Fritz Vorholz mit sechs Vorschlägen für eine nachhaltige Verkehrswende.
Ermöglicht wird die Automatisierung durch innovative Technologien im Bereich der Sensorik: vor allem durch LiDAR-Umgebungserfassung. LiDAR bedeutet Light Detection and Ranging und ermöglicht die Entfernungsmessung zwischen Objekt und Fahrzeug. LiDAR-Sensoren ersetzen quasi das Auge des Fahrers. Alle möglichen Verkehrsmittel werden in Zukunft mit solcher Technik ausgestattet, zu Lande, zu Wasser und in der Luft: Busse, Straßenbahnen, Drohnen, selbst Fähren werden ihr Ziel auf diese Weise sicher erreichen – ohne Fahrer, Pilot oder Kapitän, was die Betriebskosten deutlich senkt. Die erste autonome Fähre [1] hat im Sommer 2023 in Stockholm ihren Betrieb aufgenommen.
aller Autounfälle gehen auf menschliches Versagen zurück. Autonomes Fahren, so die Hoffnung der Entwickler, könnte die Unfallzahlen stark reduzieren.
Derweil wetteifern vor allem chinesische und US-amerikanische Unternehmen darum, wer auf der Straße beim autonomen Fahren die Nase vorn hat. Die noch zu lösenden technischen Herausforderungen sind aber nur eine Facette. Ebenso wichtig ist, welche Rolle autonome Fahrzeuge im Stadtverkehr übernehmen werden. Die Wirkungen könnten willkommen sein, aber eben auch „ungewollt“, heißt es in einer Studie der Uni Stuttgart [2]. Erlösung oder Verderbnis, das ist die Frage.
Erlösung: Autonome Fahrzeuge könnten sämtliche privaten Pkw überflüssig machen – wenn sie als Carsharing-Fahrzeuge genutzt und wenn Fahrten gemeinschaftlich absolviert werden. Die Menschen blieben genauso mobil wie früher, aber die Anzahl der Fahrzeuge im städtischen Straßenverkehr könnte auf 30 Prozent, womöglich gar auf 10 Prozent des derzeitigen Bestandes sinken.
Robomobile bereits unterwegs
Weniger Autos, aber mehr Verkehr – schließlich wäre auch das eine mögliche Zukunft, wie aus einer Studie des Beratungsunternehmen Deloitte hervorgeht. Es kommt eben darauf an.
Ziemlich sicher ist jedoch, dass der Erwerb autonomer Autos die meisten Normalverbraucher finanziell überfordern wird, zumindest vorerst. Kommerziell genutzt, als Robotaxis oder Sammeltaxi, versprechen sie allerdings gute Geschäfte, weil die Kosten für den Fahrer eingespart werden.
Mehr Lebensqualität dank autonomer Shuttles, so die Verheißung. Die Hoffnung beruht vor allem auf einem Umstand: Im herkömmlichen Busbetrieb in Industrieländern schlagen die Personalkosten mit einem Anteil von rund 45 Prozent zu Buche, ohne Fahrer wird das Gros dieser Kosten eingespart. Eine Untersuchung der Technischen Universität Hamburg ergab, dass störungsfrei autonom fahrende Shuttles tatsächlich fast ein Drittel günstiger wären als klassische Diesel-Minibusse. Experten erwarten, dass solche Robomobile womöglich schon ab 2025, spätestens aber bis 2040 marktreif sein könnten.
Der Text erschien zuerst in „tomorrow“, dem Technologiemagazin von Schaeffler Technologies AG & Co. KG, und wurde für bachrauf.org aktualisiert/modifiziert.
Zu Teil 1: Stadt neu denken [5]
Zu Teil 2: Liefersysteme verbessern [6]
Zu Teil 4: Ausbau der Bahnsysteme [7]
Zu Teil 5: On-Demand-Transportdienste [8]
Zu Teil 6: Den Globalen Süden vernetzen [9]
Weiterführende Links
- Autonomes Fahren in Deutschland: Der aktuelle Stand [10] auf adac.de, 8/2023